Wolfgang Abendroth betont die langfristig angelegte Strategie und die Bündnispolitik der Exil-Kommunisten um 1848.

Die Entscheidungsschlacht der Französischen Revolution im Juni 1848 war zur Entscheidungsschlacht der europäischen Revolution geworden. Bis zum Juni-Aufstand hatten auch große Teile des deutschen Kleinbürgertums und der kleinen industriellen Bourgeoisie von einer demokratischen Republik geträumt.
Die französischen Klassenkämpfe und das Erstarken der französischen Arbeiterklasse, die für ihre Interessen kämpfen wollte, dämpften jedoch die demokratischen Ambitionen des liberalen Flügels in Deutschland. Überhaupt entwickelte sich die deutsche Märzrevolution nicht so dynamisch wie die Revolution in Frankreich; auch weil es hier kein so starkes industrielles Proletariat wie in Frankreich gab.

In dieser Phase kehrten Marx und Engels mit einem Aktionsprogramm des Bundes der Kommunisten nach Deutschland zurück: die Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland (17 Punkte).

Abendroth lenkt in seinem Vortrag die Aufmerksamkeit auf den politischen Ansatz dieses Dokuments.

Die 17 Punkte waren laut Abendroth ein eher jakobinisch-demokratisches, denn ein sozialistisches Aktionsprogramm. Marx und Engels hätten gewusst, dass die Erringung der demokratischen Republik die erste Stufe eines langfristigen Revolutionsprozesses sein musste. Die Revolution konnte für sie kein einmaliger Akt, sondern nur ein permanenter, langwieriger Prozess sein.

Der Bund der Kommunisten sah sich vor einer doppelten Aufgabe:

  • Jede Tendenz zur demokratischen Revolution zu verstärken und
  • dort, wo es Ansätze der industriellen Arbeiterklasse gab, diese zu Selbstbewusstsein, zu Klassenbewusstsein hinzuführen.

Abendroth betont aber nicht nur die langfristig angelegte Politik von Marx und Engels, sondern verweist besonders auf die Bündnispolitik der Kommunisten, die sich auch in den 17 Punkten wiederfindet. Marx und Engels hätten in dieser widersprüchlichen Lage der Arbeiterklasse klarmachen wollen: Eure Bündnispartner sind auch die industriellen Bourgeois, die Kleinbürger und Intellektuellen, wenn wir sie nur soweit bringen können, gemeinsam mit uns für die demokratische Republik zu kämpfen.

 

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Wolfgang Abendroth (1997): Einführung in die Geschichte der Arbeiterbewegung, Bd. 1, 2. Auflage, Heilbronn, 63ff.